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Wie es ein Mehl zum Superstar schaffte!

Zugegebenermaßen hofft man ja, dass sämtliche Jobs, die man so anfaßt, fehlerfrei und ohne Komplikationen verlaufen. Das ist in manchen Bereichen wichtiger (Gesundheitswesen) oder aber nicht ganz so drastisch. In meinem Fall hing kein Leben davon ab – glücklicherweise – aber blöd war es dennoch. Rückblickend kann man aber sagen, dass mich der Fall „des Superstar-Mehls“ letztendlich immer wieder zum Grinsen bringt.

Und da wären wir auch schon bei der Geschichte …

In der Vorbereitung einer Eröffnungskampagne eines Restposten-Kaufhauses hatten wir in der Agentur viel zu tun. Die Zeit war – wie immer – zu kurz bemessen und es mussten leidige Überstunden geschoben werden. Von der Logo-Entwicklung, der Haus-Beschriftung bis hin zu Anzeigen – ein schier endloses Projekt, – dass sich darüber hinaus wie ein „Gestaltenwandler“ verhielt: Plötzlich mussten Anzeigen, Drucksachen, Aufkleber, Werbeartikel, Tüten und noch ein Prospekt her, die gar nicht abgesprochen waren, dafür wurden andere Dinge, die schon erledigt waren, „erstmal auf Eis“ gelegt. Das putzige Logo des Billig-Kaufhauses (ein Hamster), wurde langsam aber sicher zum Symbol der Verksklavung und hat in der Zeit bei der kompletten Agentur seine Wirkung als Sympathieträger verloren.


In solchen Phasen der auferlegten Arbeitswut, hatte ich die Aufgabe, eine Zeitungsanzeige vorzubereiten und sie mit sogenannten „Platzhaltern“ zu füllen, damit der Kunde sich überlegen kann, welche seiner zahlreichen Artikel er denn besonders günstig anbieten möchte. Diese Platzhalter waren Bilder, die ich auf dem Rechner fand. Die Texte dazu bestanden aus reinem Kauderwelsch (Lorem Ipsum …) und die Preise waren fiktive Preise, die allesamt die Artikel mit jeweils 9,99 DM anpriesen.


So bastelte ich nach und nach die vom Kunden ausgewählten Artikel, Texte und Preise ein. Lediglich beim Preis des 500g Pakets Weizenmehl (Typ 405) war man sich noch nicht sicher. Nun kam das, was kommen musste; aufgrund der zahlreichen Änderungen und Neuzugängen an Aufträgen, verlor man diese Anzeige aus dem Auge und schon war es passiert: Die Anzeige wurde agenturseits und ebenfalls vom Kunden in der „Druckabnahme-Phase“ durchgewunken und am darauffolgenden Mittwoch mit einer hohen – sehr hohen – Auflage beworben:
500g Weizenmehl für 9,99 DM!“ Dem Mehl wurde weder Goldstaub beigefügt, noch wurde es von Hand gemahlen und auch nicht barfuß über Schmetterlingsflügel in die Abfüllung getragen.

Grundgütiger! Was nun? Der Kunde selbst kam auf die zündende Idee: Er stellte ein Paket dieser Mehlcharge in eine Vitrine in seinen Laden, sanft und wohlgefällig auf einem Samtkissen drapiert. Dazu beleuchtete er die Verpackung, als handle es sich dabei um die Kronjuwelen Englands höchstpersönlich.
Alle anderen Verpackungen hatten das Nachsehen. Sie wurden zum günstigen „Schnäppchen-Preis“ verkauft.
Die Vitrine wurde ein Hingucker im Laden und brachte nahezu alle Käufer zum Schmunzeln.

Dieses Beispiel zeigt, dass auch aus einem Mißgeschick ein „Marketing-Gag“ werden kann. Wir haben zukünftig auf derartige Aktionen verzichtet und ich schreibe nie wieder „echte“ Preise bei Platzhaltern rein – nur noch XX.XX EUR. Versprochen.